Rio Tinto und Glencore: Kupferhunger treibt Mega-Fusion

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Noch ist nichts entschieden, doch der Druck steigt. Wir haben bereits über die mögliche Neuordnung der globalen Bergbauindustrie am 09.01.2026 berichtet. Nun verdichten sich die Hinweise, dass Rio Tinto und Glencore vor einer historischen Fusion stehen könnten. Im Zentrum der Gespräche steht weniger Gold oder Kohle – sondern Kupfer, der Schlüsselrohstoff der Energiewende..

Rückblick: Warum diese Fusion den Markt elektrisiert

Bereits Anfang Januar hatten wir darauf hingewiesen, dass ein Zusammenschluss dieser Größenordnung das Machtgefüge der Branche nachhaltig verändern würde und selbst Platzhirsche wie Newmont weiter unter Druck geraten könnten. Nun wird klarer, warum die Gespräche geführt werden: Die weltweite Kupferversorgung droht zum strategischen Engpass zu werden.

Entscheidungsfrist läuft: Rio unter Zugzwang

Nach britischem Übernahmerecht muss Rio Tinto spätestens am Donnerstag, dem 5. Februar, um 17 Uhr Londoner Zeit erklären, ob ein verbindliches Angebot für Glencore vorgelegt wird oder ob man offiziell Abstand nimmt. Beide Unternehmen hatten bereits am 8. Januar bestätigt, Gespräche über eine mögliche Kombination von Teilen oder sogar des gesamten Geschäfts zu führen. Sollte es zu einem Deal kommen, entstünde ein Konzern, der BHP als größten Bergbauwert der Welt nach Marktkapitalisierung ablösen würde.

Kupfer als strategischer Engpass

Der Treiber hinter den Kulissen ist eindeutig Kupfer. Analysten wie Ben Davis von RBC sehen in der angestrebten Kontrolle zukünftiger Kupferproduktion den Kern der Überlegungen. Die Nachfrage steigt rasant, getrieben durch Elektrifizierung, Elektromobilität und den globalen Umbau der Energiesysteme. Gleichzeitig fehlt es an neuen, entwicklungsreifen Projekten. Diese strukturelle Lücke verschärft sich von Jahr zu Jahr.

David Garofalo, CEO von Gold Royalty und früherer Chef von Hudbay Minerals, bringt es auf den Punkt: In einer Branche mit kaum neuen Großprojekten bleibt den Konzernen nur noch der Zukauf. Wer nicht selbst bauen kann, muss kaufen, um kritische Masse zu erreichen. Genau dieser Mechanismus treibt die aktuelle Konsolidierungswelle.

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Bewertung: 15–30 % Übernahmeprämie denkbar

Aus Sicht der Analysten wäre Glencore mit einer Übernahmeprämie von etwa 15 bis 30 Prozent auf den Aktienkurs vom Jahresanfang ein realistisches Ziel. Damit würde die Bewertung des Konzerns auf bis zu 121 Milliarden US-Dollar steigen. Glencore bringt aktuell rund 105 Milliarden US-Dollar an Börsenwert mit, während Rio Tinto bei etwa 187 Milliarden US-Dollar liegt. Ein fusionierter Konzern, in Marktkreisen bereits scherzhaft „GlenTinto“ genannt, hätte damit enorme finanzielle Schlagkraft.

Besonders attraktiv für Rio Tinto sind Glencores Kupferassets. Im Fokus steht vor allem die 44-prozentige Beteiligung an der chilenischen Collahuasi-Mine, einem der hochwertigsten Kupferprojekte weltweit. Analysten von BMO Capital Markets sprechen offen davon, dass es für Rio strategisch einfacher sei, über die Übernahme eines Großkonzerns Zugang zu Spitzenassets zu erhalten, als jahrelang auf neue Projekte zu warten. Zwar könnten spätere Abspaltungen unerwünschter Geschäftsbereiche kompliziert werden, doch der strategische Nutzen überwiegt aus Sicht vieler Investoren.

Mehr als nur Kupfer: Lithium, Eisen & Handel

Gleichzeitig geht es um mehr als Kupfer. Rio Tinto hat sich zuletzt gezielt breiter aufgestellt, unter anderem mit der milliardenschweren Übernahme von Arcadium Lithium. Bis 2030 rechnet der Konzern mit einem jährlichen Produktionswachstum von rund drei Prozent, getragen von Großprojekten wie Simandou in Guinea und Oyu Tolgoi in der Mongolei. Glencore wiederum bringt eine der stärksten Handels- und Marketingplattformen der gesamten Rohstoffbranche ein – ein Faktor, der in der öffentlichen Debatte bislang oft unterschätzt wird.

Die Gespräche fallen in eine Phase zunehmender Konsolidierung. Parallel arbeiten Anglo American und Teck Resources an einer Mega-Fusion, die ebenfalls einen neuen Kupferriesen schaffen würde. Gleichzeitig haben die Kupferpreise zuletzt neue Rekordmarken erreicht, angetrieben durch Angebotsstörungen, geopolitische Unsicherheiten und zunehmende Handelskonflikte.

Synergien – und kulturelle Risiken

Investoren rechnen im Falle eines Zusammenschlusses mit spürbaren Synergien, insbesondere bei Marketing, Verwaltung und zentralen Dienstleistungen. Die geschätzten Einsparungen ( im Raum stehen 3,7 bis 10,4 Mrd. USD) liegen jedoch deutlich unter dem Kapitalbedarf, der notwendig wäre, um eine hohe Übernahmeprämie zu rechtfertigen. Zudem warnen Analysten vor kulturellen Reibungen. Glencores bisher stark handelsgetriebenes Geschäftsmodell würde im neuen Konzern vermutlich an Einfluss verlieren, was tiefgreifende strukturelle Anpassungen erfordern dürfte.

Fazit

Unabhängig vom Ausgang der Gespräche gilt bereits jetzt als sicher: Sollte der Deal zustande kommen, wäre er nicht das Ende, sondern der Auftakt einer neuen Fusionswelle im Kupfersektor. Für andere Marktteilnehmer wird es zunehmend schwer, ohne Größe, starke Bilanz und langfristige Projektpipeline wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Anleger im Gold-, Kupfer- und Rohstoffsektor bedeutet das: Die Phase fragmentierter Märkte geht zu Ende. Die Zukunft gehört den großen, finanzstarken Konzernen – und Kupfer wird dabei zur entscheidenden strategischen Währung der globalen Energiewende.

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