Die internationale Bergbauindustrie steht möglicherweise vor einer tektonischen Verschiebung durch eine Rio Tinto Glencore Fusion. Hinter den Kulissen laufen Gespräche, die das Ranking der weltgrößten Rohstoffkonzerne nachhaltig verändern könnten. Noch ist nichts entschieden, doch die Dimensionen sind gewaltig – und die Folgen würden weit über Kupfer und Eisenerz hinausreichen. Auch für Goldinvestoren lohnt ein genauer Blick.
Gespräche über einen neuen Branchenriesen
Rio Tinto und Glencore haben bestätigt, dass sie sich erneut in Gesprächen über eine mögliche Zusammenlegung befinden. Im Raum steht eine Transaktion, die – je nach Struktur – zur Entstehung des weltweit größten Bergbaukonzerns führen würde. Mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von rund 207 Milliarden US-Dollar und einem Unternehmenswert von über 260 Milliarden US-Dollar könnte das neue Schwergewicht selbst Branchenprimus BHP überholen und nebenbei auch Newmont die Spitzenposition bei den Bergbauunternehmen streitig machen. Es wäre bereits der zweite Anlauf innerhalb von gut einem Jahr. Ende 2024 hatte Glencore Rio Tinto erstmals kontaktiert, damals ohne Erfolg. Nun, Ende 2025, scheint sich das Umfeld deutlich verändert zu haben – strategisch wie personell.
Neuer CEO, neue Offenheit für Großdeals
Ein zentraler Unterschied zur ersten Gesprächsrunde liegt bei Rio Tinto selbst. Mit Simon Trott steht seit August ein neuer CEO an der Spitze, der als deutlich offener für großvolumige Transaktionen gilt als sein Vorgänger. Trott verfolgt das Ziel, den Konzern zu verschlanken, sich von nicht-strategischen Randaktivitäten zu trennen und das Portfolio klarer auf Zukunftsrohstoffe auszurichten.
Genau hier trifft sich die strategische Stoßrichtung beider Unternehmen: Kupfer. Sowohl Rio Tinto als auch Glencore sehen in dem Metall einen der entscheidenden Engpassfaktoren der kommenden Jahrzehnte – getrieben durch Energiewende, Elektromobilität, KI-Rechenzentren und steigende Verteidigungsausgaben.
Rio Tinto und Glencore setzen auf Kupfer
Während Gold für viele Privatanleger emotional und strategisch im Vordergrund steht, ist Kupfer aktuell der Rohstoff, der die Fusionsfantasie in der Branche antreibt. Analysten gehen davon aus, dass die weltweite Kupfernachfrage bis 2040 um rund 50 % steigen könnte. Gleichzeitig droht ohne massive Neuinvestitionen ein strukturelles Angebotsdefizit von mehr als zehn Millionen Tonnen jährlich. Glencore hat sich bereits klar als „Kupfer-Wachstumswert“ positioniert und strebt an, seine Produktion bis 2035 auf 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr zu verdoppeln. Rio Tinto wiederum verfügt über eine starke Projektpipeline, steht aber unter dem Druck, Wachstum schneller zu realisieren, als es organisch möglich wäre. Eine Fusion könnte genau diesen Hebel liefern.
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Alte Hürden teilweise aus dem Weg geräumt
Ein wesentlicher Stolperstein früherer Gespräche war das Kohlegeschäft von Glencore. Rio Tinto ist bereits 2018 vollständig aus der Kohleförderung ausgestiegen und wollte sich nicht erneut mit dem CO₂-intensiven Segment belasten. Diese Hürde wurde inzwischen entschärft: Glencore hat seine Kohleaktivitäten in eine eigenständige australische Einheit ausgelagert. Eine Abspaltung oder ein separater Verkauf wäre damit deutlich einfacher – und macht eine Fusion politisch wie strategisch anschlussfähiger. Offen bleibt allerdings, ob Glencores umfangreiches Handelsgeschäft Teil eines Deals wäre. Gerade dieser Bereich ist margenstark, aber kulturell schwer mit Rio Tinto zu integrieren.
Marktreaktionen und Risiken für Aktionäre
Die Börse reagierte prompt auf die Nachrichten. Glencore-Aktien legten zeitweise um rund 6 % zu, während Rio-Tinto-Papiere spürbar unter Druck gerieten. Anleger fürchten, dass Rio Tinto im Falle eines Aktientauschs einen zu hohen Preis zahlen könnte. Analysten warnen vor möglicher Wertvernichtung, falls die Prämie zu hoch ausfällt oder die Integration scheitert.
Hinzu kommen kulturelle Unterschiede: Glencore gilt als opportunistisch, handelsgetrieben und stark ergebnisfokussiert, während Rio Tinto traditionell stärker auf operative Stabilität und langfristige Projekte setzt. Ob daraus ein produktiver Mix oder ein Konflikt entsteht, ist offen.
Und was würde die Rio Tinto Glencore Fusion für Gold bedeuten – und Newmont?
Auch wenn Gold nicht im Zentrum der Fusionslogik steht, wären die indirekten Folgen erheblich. Ein neuer Megakonzern würde die Kräfteverhältnisse im Rohstoffsektor neu ordnen. Für Newmont Corp., aktuell der weltweit größte Goldproduzent, könnte das zumindest symbolisch relevant werden: In der öffentlichen Wahrnehmung und bei institutionellen Investoren könnte Newmont seinen Platz an der Spitze der globalen Mining-Giganten verlieren – selbst wenn der Fokus des neuen Konzerns primär auf Basismetallen liegt.
Für Privatanleger ergibt sich daraus eine spannende Gemengelage: Während Gold weiterhin als Absicherung und Stabilitätsanker gefragt bleibt, verschiebt sich das Wachstumskapital zunehmend in Richtung Kupfer- und Multi-Metall-Konzerne. Eine erfolgreiche Fusion von Rio Tinto und Glencore könnte diesen Trend deutlich beschleunigen.
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Fazit: Großes Potenzial, hohe Unsicherheit
Noch ist nichts entschieden. Nach britischem Übernahmerecht hat Rio Tinto bis 5. Februar Zeit, ein formelles Angebot vorzulegen oder die Gespräche offiziell zu beenden. Die Bewertung, die Führungsstruktur und die genaue Ausgestaltung des Deals bleiben die großen Unbekannten.
Für Anleger gilt: Die Fantasie ist enorm, das Risiko aber ebenso. Sollte die Megafusion gelingen, stünde die Branche vor einer neuen Ära – mit Auswirkungen, die auch den Goldsektor und Platzhirsche wie Newmont nachhaltig verändern könnten. Genau deshalb lohnt es sich, dieses Thema aufmerksam zu verfolgen.


