Rio Tinto & Glencore: Mega-Fusion geplatzt – warum der Kupfer-Traum vorerst endet

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Wochenlang galt sie als mögliche „Fusion des Jahrzehnts“ – nun ist sie vom Tisch. Rio Tinto und Glencore haben ihre Gespräche über einen Zusammenschluss im Volumen von rund 260 Milliarden US-Dollar offiziell beendet. Damit zerplatzt vorerst die Hoffnung auf den größten Bergbaukonzern der Welt und einen neuen globalen Kupfer-Champion.

Bereits Anfang Januar hatten wir im Gold Magazin ausführlich analysiert, warum eine Fusion der beiden Rohstoffgiganten das Machtgefüge im Bergbau grundlegend verändern könnte. Im Zentrum stand damals der strategische Kampf um Kupfer, den Schlüsselrohstoff der Energiewende. Nun zeigt sich: Der industrielle Wille war da – die Einigung nicht.

Keine Einigung über Macht und Bewertung

In einer Stellungnahme erklärte Rio Tinto am Donnerstag, dass man nach intensiven Gesprächen zu dem Schluss gekommen sei, dass sich kein Deal realisieren lasse, der ausreichenden Mehrwert für die eigenen Aktionäre liefere. Damit endet eine mehrwöchige Phase vertraulicher Verhandlungen, in denen zentrale Fragen ungelöst blieben.

Insbesondere Governance-Strukturen und die Kontrolle über den fusionierten Konzern erwiesen sich als Knackpunkte. Nach dem zuletzt diskutierten Modell hätte Rio Tinto sowohl den Vorsitz als auch den CEO-Posten gestellt und sich die faktische Kontrolle über den neuen Konzern gesichert. Aus Sicht von Glencore bedeutete dies jedoch eine klare Unterbewertung des eigenen Kupfergeschäfts und des gesamten Beitrags zum kombinierten Unternehmen.

Glencore ließ durchblicken, dass diese Struktur für die eigenen Aktionäre nicht akzeptabel gewesen sei – insbesondere angesichts der Qualität und strategischen Bedeutung der Kupferassets.

Rio Tinto und Glencore: Kupferhunger treibt Mega-Fusion

Börse reagiert deutlich

Der Markt reagierte prompt auf das Scheitern der Gespräche. Die Glencore-Aktie verlor im Londoner Handel zeitweise rund acht Prozent, während Rio Tinto um etwa 2,5 Prozent nachgab. Die Kursreaktion zeigt, wie stark Teile des Marktes bereits auf eine Einigung gesetzt hatten – vor allem bei Glencore, wo eine Übernahmeprämie eingepreist war.

Ein Deal mit enormer Tragweite – zumindest auf dem Papier

Wäre die Fusion zustande gekommen, hätte der neue Konzern rund sieben Prozent der weltweiten Kupferproduktion kontrolliert und zugleich dominante Positionen bei Eisenerz, Kohle und weiteren Schlüsselrohstoffen eingenommen. Für viele Investoren wäre dies ein strategischer Befreiungsschlag gewesen, um sich gegen steigende Kosten, knappe Projektpipelines und den wachsenden Kapitalbedarf der Energiewende zu wappnen.

Gerade vor dem Hintergrund rekordhoher Kupferpreise und eines strukturellen Angebotsdefizits galt der Zusammenschluss als logische Antwort auf die Herausforderungen der Branche.

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Alte Probleme, neue Namen

Dass die Gespräche nun scheiterten, überrascht Branchenkenner jedoch nur bedingt. Es ist bereits der dritte Anlauf, eine Fusion zwischen Rio Tinto und Glencore auf den Weg zu bringen. Schon 2014 sowie Ende 2024 waren Gespräche an Bewertungsfragen, fehlender Übernahmeprämie und tiefen kulturellen Unterschieden gescheitert.

Auch personelle Veränderungen konnten daran nichts ändern. Zwar gilt das heutige Rio-Management um CEO Simon Trott und Chairman Dominic Barton als offener für strategische Transaktionen, doch die grundlegenden Differenzen blieben bestehen. Glencore-CEO Gary Nagle hatte einen Zusammenschluss wiederholt als den „naheliegendsten Deal im Bergbau“ bezeichnet – inklusive des Anspruchs, eine führende Rolle im neuen Konzern zu übernehmen.

Kupfer bleibt der Engpass

Trotz des geplatzten Mega-Deals ändert sich an der übergeordneten Marktlage wenig. Kupfer bleibt knapp, neue Großprojekte sind rar, und der Investitionsbedarf steigt weiter. Der gescheiterte Zusammenschluss zeigt weniger ein fehlendes Interesse als vielmehr, wie schwierig es geworden ist, Deals dieser Größenordnung politisch, kulturell und strukturell umzusetzen.

Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: Die Konsolidierung im Rohstoffsektor wird weitergehen – aber nicht um jeden Preis. Große Fusionen scheitern nicht am Rohstoff, sondern an Machtfragen.

Fazit: Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Der Rio-Glencore-Deal ist vorerst Geschichte, doch die dahinterliegenden Kräfte bleiben intakt. Der Kampf um Kupfer, Größe und strategische Kontrolle wird den Bergbausektor auch in den kommenden Jahren prägen. Wahrscheinlicher als ein einzelner Mega-Deal sind nun gezielte Übernahmen, Joint Ventures und Asset-Tauschgeschäfte.

Für Gold- und Rohstoffinvestoren bedeutet das: Die Fantasie ist nicht verschwunden – sie verlagert sich. Kupfer bleibt der Taktgeber, und die nächste Konsolidierungsrunde kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit. Nur eben in kleineren, besser verdaulichen Schritten.

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